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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kreissynode Siegen I
Evangelisches Profil der Kindertageseinrichtungen

29.06.2018 18:34

Die 59 Kindertageseinrichtungen mit zurzeit insgesamt 2397 Kindern und damit verbunden deren evangelisches Profil war das Schwerpunktthema der Kreissynode Siegen, die am Mittwoch, 27. Juni 2018, in der CVJM-Jugendbildungsstätte in Wilnsdorf-Wilgersdorf tagte. Für die evangelischen Kindertageseinrichtungen findet derzeit im Kirchenkreis und den Gemeinden ein Leitbildprozess statt, durch den das evangelische Profil in den Einrichtungen herausgearbeitet und geschärft werden soll.

 

Einführung

In seiner Einführung ins Thema machte Superintendent Peter-Thomas Stuberg deutlich: „Kita-Arbeit ist elementarer Teil unserer Gemeindearbeit.“ Diese Einschätzung entnahm er den Gemeindeberichten zur Kreissynode, in denen das hohe Engagement etlicher Beteiligter und ihre Freude an diesem Arbeitsfeld zum Ausdruck kommen. In den Kindertageseinrichtungen gehe es um die Erlangung von Sprachkompetenz und Sozialkompetenz. Die unschätzbare Zahl der Sterne entsprechend dem bekannten Kinderlied „Weißt du wieviel Sternlein stehen an dem hohen Himmelszelt“, der Wolken, der Mücken und der Fische und viele andere Dinge mehr gehörten automatisch in die Selbstbildungslust der Kinder hinein. Dass Kinder sich die Welt erschließen wollten, dass sie lernten, die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Menschen auszugleichen und dass genau genommen Demokratie erlernt werden müsse, „das ist das tägliche Brot unserer evangelischen Kindertageseinrichtungen.“ 

 

Superintendent Peter-Thomes Stuberg

 

Selbstverständlich, so der Superintendent, gehöre auch die religiöse Bildung dazu. Er zeigte auf, dass es der ausdrückliche Wunsch der Bildungsrichtlinien des Landes NRW sei, Religion und Ethik als Bildungsbereiche zu pflegen. Dort heiße es: „Jedes Kind bringt Offenheit und Neugier für oft mit Religion und anderen Weltanschauungen verbundenen Fragen mit. … Wenn Kinder die Welt erforschen, stellen sie Fragen nach dem Anfang und dem Ende, nach dem Sinn und Wert des Lebens. Sie staunen über das, was sie wahrnehmen und sind fasziniert von dem, was sie nicht sehen. Sie wollen den Rätseln, die sich ihnen auftun auf den Grund gehen und suchen nach Anhaltspunkten für ein gutes, gerechtes und sinnvolles Leben.“  Das Kind, so bezieht sich Stuberg auf den Theologen Friedrich Schweitzer, habe ein Recht auf Religion. Kinder fragten über ihren alltäglichen Tellerrand hinaus. Sie wollten wissen, wer sie sind, was sie können, warum das Leben beginne und ende, wie es im Himmel aussehe, wie man gerecht miteinander leben könne und warum es verschiedene Glaubensformen gäbe. 

Den Berichten der Kirchengemeinden zu der Thematik entnehme er in dem religionspädagogischen Tun ein liebevolles, kreatives und kindgerechtes Angebot, das den Fragen der Kinder zu begegnen suche. Dazu gehörten die Vermittlung klassischer Bibelerzählungen, die Feier der kirchlichen Feste, Familiengottesdienste, musikalische Angebote oder spirituelle Formen für Kinder. Diese Aufgabe übernähmen nicht nur die Pfarrer, sondern es seien in erster Linie die Erzieherinnen selbst, die den christlichen Glauben zur Sprache brächten und den Kindern vorlebten. Dies auch im Respekt vor dem Andersgläubigen.

 

Kritische Töne

Stuberg schlug aber auch kritische Töne an. Bei dem Dreiklang Bildung, Erziehung und Betreuung in den evangelischen Kindertageseinrichtungen hätten die Entwicklungschancen der Kinder oberste Priorität, nicht etwa die Bedürfnisse eines immer anspruchsvolleren Arbeitsmarktes, der auch von Menschen in der Elternzeit hohe Flexibilität und Verfügbarkeit zu immer mehr Tageszeiten erwarte. Ihm fehle in der Forderung nach immer mehr Betreuungsangeboten der Lösungsansatz der Arbeitgeberseite. Ein erweitertes Betreuungsangebot in den Kitas ziehe in der Konsequenz auch eine Fortsetzung der Betreuung in den Offenen Ganztagsschulen und in weiterführenden Schulen nach sich. Finanzielle Mehrbedarfe entstünden und ein jetzt schon erheblicher Fachkräftemangel erschwere die Situation. Stuberg: „Wir brauchen eine berechenbare Finanzierung durch ein erneuertes Gesetz, das die kaufmännischen Risiken nicht einseitig bei den Trägern belässt. Der größte Anteil der Kosten, nämlich rund 80 % sind Personalkosten. Diese gilt es sicher und belegungsunabhängig von der öffentlichen Hand zu gewährleisten. Damit die Träger den Rücken frei bekommen für ihre inhaltliche Arbeit mit den Kindern und Familien und nicht mit der wirtschaftlichen Überlegungsstrategie beschäftigt sein müssen.“

EKiKS-Geschäftsführerin Nina Stahl

 

Zahlen und Fakten

Nina Stahl, Geschäftsführerin der Evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Siegen (EKiKS), schilderte die Situation der ev. Kitas anhand von Zahlen, Daten und Fakten. 52 Kindertageseinrichtungen (einschließlich im Ev. Kirchenkreis Wittgenstein) gehören derzeit zu EKiKS. Die Anzahl der Kitas pro Region liegen zwischen fünf und zehn. Von den 2.397 Kinder in den evangelischen Einrichtungen sind 1.163 Mädchen und 1.234 sind Jungs. 490 Kinder sind unter 3 Jahren, 20 Hortkinder werden ergänzend zur Schule in den Randzeiten im Familienzentrum Sternenzelt in Büschergrund betreut. 1.231 Kinder sind evangelisch, darüber hinaus existiert eine große religiöse Vielfalt. 130 Kinder mit Fluchterfahrung besuchen einen evangelischen Kindergarten. 1.380 Kinder werden über Mittag betreut. Jährlich werden in den Kitas 800 angehende Schulkinder verabschiedet. Die Familien der Kinder in den evangelischen Einrichtungen kommen aus 63 unterschiedlichen Herkunftsländern, 300 Kinder haben eine andere Staatsangehörigkeit als deutsch.

In den evangelischen Kindertageseinrichtungen arbeiten insgesamt 580 Mitarbeitende, davon sind lediglich 20 männlich. Damit gehörten die Evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Siegen zu den großen Arbeitgebern in der Region.

 

Prozessweg

Nina Stahl und Pfarrer Stefan König, Vorsitzender des Synodalen Ausschusses für Kindertageseinrichtungen, stellten die Vorgehensweise und das Ergebnis des bisherigen Prozessweges vor. Mit Hilfe eines externen Beraters sei, so König, der Prozess vorbereitet und ein Leitbild für die Evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Siegen formuliert worden. Es orientiert sich am Leitbild des Evangelischen Kirchenkreises Siegen.

Im nächsten Schritt sind die Konzeptionen der einzelnen Kindertageseinrichtungen zu überarbeiten und auf das Leitbild zu beziehen. Zudem wird in den Regionen des Kirchenkreises jeweils ein sogenannter Orientierungsplan von den Kirchengemeinden und den Fachkräften der Kitas entwickelt. Das Miteinander der Kirchengemeinden in den Regionen und den örtlichen Kindertageseinrichtungen soll dadurch gefördert werden. Damit verbunden sind die Entwicklung konkreter Praxisbeispiele, die in den Einrichtungen angewandt werden können.

Zudem sollen die Mitarbeitenden durch religionspädagogische Fort- und Weiterbildungen im eigenen Handeln gestärkt werden.

Diskussion

Eine lebhafte Diskussion in der Synode zeigte das Interesse an der Thematik und deren Bedeutung. Pfrn. Ute Waffenschmidt-Leng kritisierte die befristeten Beschäftigungsverhältnisse und forderte, diese zu reduzieren.

Für Pfr. Thomas Ijewski gaben die Formulierungen der Leitsätze deutlich zu wenig evangelisches Profil wieder. Ijewski: „In den Einrichtungen passiert viel evangelisches und christliches. Das sollte deutlicher zur Sprache kommen.“ Dies unterstützte Pfr. Dr. Christian Schwark. Die biblische Tradition und der christliche Glaube sollten im Leitbild konkreter formuliert werden. Pfrn. Annegret Mayr, Islambeauftragte des Kirchenkreises, sprach die Klarheit eines evangelischen Glaubenszeugnisses im respektvollen und toleranten Verhalten anderer Religionen gegenüber an und bat, dies zu diskutieren. Pfr. Christoph Otminghaus regte an, die Familienzentren als eigenständige Orte von Kirche zu beschreiben. Während Pfr. Ralph van Doorn alles nötige in den Leitbildformulierungen enthalten sah, bemerkte  Pfr. Martin Ahlhaus, dass der Begriff Kirche in den ersten Sätzen nicht vorkäme. Pfr. Matthias Elsermann merkte an, dass die Leitsätze die Unterschiede zu anderen Anbietern deutlich machten. Schließlich hätten auch die Evangelischen Kindertagesstätten nicht nur ein religionspädagogisches Handlungsfeld, sondern einen öffentlichen Auftrag.

Deutlich wurde in der Diskussion zudem, dass die religionspädagogischen Konzepte von den Kirchengemeinden und den Einrichtungen vor Ort zu gestalten und verantworten seien. In diesen konkreteren Ausgestaltungen habe eine weitere Profilschärfe ihren individuellen Platz.

Mit 70 Ja-Stimmen, 29-Nein-Stimmen und einigen Enthaltungen wurde das Leitbild der Evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Siegen beschlossen. 

 

Das Leitbild der evangelischen Kindertageseinrichtungen finden Sie hier.

kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Geschäftsführerin Nina Stahl und Ausschussvorsitzender Pfarrer Stefan König schilderten die Leitbildentwicklung für die evangelischen Kindertageseinrichtungen.


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