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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

120 Jahre CVJM-Posaunenverband
Veränderung trägt

08.11.2018 13:58

Mit einem fulminanten Posaunenfest feierte am Reformationstag (Mittwoch, 31. Oktober 2018) der CVJM-Posaunenverband Siegerland seinen 120. Geburtstag im Großen Saal der Siegerlandhalle. 400 Bläserinnen und Bläser, darunter der Chor der Senioren, die Jungbläser oder JuniorBrass,  sorgten für etwa 1600 Zuhörer für ein kaum zu beschreibendes Klangerlebnis. Mit dem Choral „Die Himmel erzählen“ von Joseph Haydn wurde das Fest eröffnet. Durch den abwechslungsreichen Abend führten unterhaltsam und informativ Dörte Siebel und Markus Gräf.

Veränderung trägt – Reformation 501 – lautete das Motto der Veranstaltung, das in verschiedenen Variationen durch die Moderatoren aufgegriffen wurde. Veränderung braucht Vertrauen, loslassen, neue Wege und Fixpunkte. Zur Veränderung gehören neue Methoden, Konzepte und Musik, in dem Vertrauen, dass Gott vorbereitet und begleitet.

Das Festprogramm beteiligte auch immer wieder die Zuhörer. Mit „Unser Leben sei ein Fest“,  „Vertraut den neuen Wegen“ oder „Liebster Jesu, wir sind hier“, blieb die Festgemeinde nicht nur in der Konsumentenrolle.

Ungewohnte Klänge wagte die Formation JuniorBrass unter dem Dirigat von Christina Weidt-Fries. Mit „James Bond“ erklang ein nicht unbekanntes Stück, dessen Satz aus der Feder des gebürtigen Zeppenfelders Benjamin Eibach stammt.

Superintendent Peter-Thomas Stuberg gratulierte dem Posaunenverband zu seinem runden Geburtstag. Der Verband sei nicht für sich selbst da. Die Musiker lobten vielmehr Gott in der Vielstimmigkeit handgemachter Musik. Mit ihrem Atem. Das sei einzigartig. Es entstehe ein Gänsehautfeeling wenn der Klang zum Einklang werde in Vielstimmigkeit. Stuberg: „Man hat das Gefühl, es geschieht Größeres. Ich dachte so bei mir selbst: Hier ist Weltkulturerbe! Ihr baut eine Brücke zwischen den Generationen und schafft mit der Musik die vornehmste Wirkung, dass der Glaube zweifelsfreier wird. Gott selbst erklingt zwischen den Klängen.“

Er zeigte an dem alten biblischen Abraham auf, dass Veränderung Mut braucht. Veränderung mache sich auf ins Unbekannte, Ungewohnte und Ungeübte. Abraham habe auf Gott gehört, bevor er sich aufgemacht habe in ein neues Land. Es sei ein geistlicher Grundsatz, dass man im vertrauensvollen Aufbrechen auf Gottes Geheiß nicht wisse, wo das Ziel sei. Man müsse auf den nächsten Schritt vertrauen. Die Veränderungen im CVJM-Posaunenverband hätten sich als gut und gesegnet erwiesen, so Stuberg, weil sie im Vertrauen auf Gott geschehen seien. Veränderung braucht Mut und Vertrauen. Als Bild für Vertrauen greift er Petrus, den Jünger Jesu, auf, der im Sturm auf dem Wasser aus dem Boot steigt, in die Turbulenzen hinein.  Stuberg: „Was er erlebt ist ein Wunder und gegen den Verstand. Da ist er, Jesus Christus auf einmal da und geht selbst in die Turbulenzen hinein. Petrus erlebt: Jesu Wort, sein „Seid getrost! Ich bin‘s. Fürchtet euch nicht!“ trägt in unruhigen Gewässern.“

Die Bläser bekräftigten die Predigt mit den Sätzen „Ich harrete des Herrn“ und „Nun danket alle Gott“, beide von F. Mendessohn Bartholdy. 

In den informativen Fokus kam die Jungbläserschulung. Die hat 1971 mit 50 Teilnehmern und fünf Mitarbeitern begonnen. Damals waren die richtigen Menschen an der richtigen Stelle. Benannt und vorgestellt wurden Hans-Joachim Braach und auch Manfred Neef, die die Jungbläserschulung ins Leben riefen. Dörte Siebel: „Davon profitieren wir bis heute.“ Dankbar erinnerte man an die Abschiedsgottesdienste am Ende einer Schulung, in denen das Gelernte präsentiert werden konnte. Aus diesen Anfängen entwickelte sich ein zusätzlicher veränderter C-Kurs für nebenamtliche Kirchenmusiker. Nun war nicht mehr allein die Orgel Ausbildungsinstrument, sondern auch das Blechblasinstrument. Viele Chorleiter profitieren davon.

Erinnert wurde wehmütig und traurig an Ingo Gieseler, der vor knapp fünf Monaten starb. Seit 2009 war er stellvertretender Kreis-Chorleiter und viele Jahre zuvor schon prägend in der Jungbläser- und Chorleiterschulung tätig. Die Weichen für das Kreisposaunenfest hatte er noch mit gestellt. Die Festgemeinde sang das Gemeindelied „Salz und Licht“, dessen Satz Ingo Gieseler komponiert hat.

Das Geburtstagsfest zeigte die musikalische Bandbreite auf, die die Chöre beherrschen.

Einen besonderen Applaus erhielten die Jungbläser, die eindrucksvoll zeigten, was sie bisher gelernt haben. Neue Kompositionen wie „Bless your name“ oder eine Fantasie zum Choral „Meinen Jesum lass ich nicht“ aus der Feder von Sarah Dickel, Mitarbeiterin der Bläserschulung, wechselten sich ab mit alten Meistern.  Mit kräftigem taktvollem Fußstampfen wurden die Jungbläser von den Zuhörern unterstützt. Markus Stücher: „Das ist die Jugend von heute. Darauf können wir stolz sein.“

Die Jungbläser sind eingeteilt in die Leistungsgruppen 1–4. Man muss also, um in den Genuss einer solchen qualifizierten Weiterbildung zu kommen, in einem Posaunenchor begonnen haben zu musizieren. Es gibt aber zu wenige Chöre, die derzeit Jungbläser ausbilden. Eine neue Idee präsentierte Christopher Weidt. Er sucht einen Pool von 15–20 Mitarbeitenden, die bereit sind, ab Herbst 2019 eine Leistungsgruppe 0 zu gründen für die absoluten Anfänger.

Veränderung braucht auch Ausdauer. Die zeigten die Seniorenbläser unter dem Dirigat von Dieter Hoffmann. Seit 20 Jahren gibt es diese Bläsergruppe. Sie musizierten den Choral „Wie nach einer Wasserquelle“ von C. Goudimel  und J.S. Bach. Zudem erklangen „O, dass ich tausend Zungen hätte“ und „Dich will ich, o Jehova loben!“ aus der Chorliteratur „Siegerländer Marschlieder“.

Eine gewaltige Klangkulisse erlebten die Zuhörer in der Siegerlandhalle als Psalm 100 „Jauchzet dem Herrn alle Welt“, von F. Mendelssohn Bartholdy musiziert wurde.

Christian Sprenger, Professor für Posaune an der Hochschule für Musik Franz Liszt, Weimar, und an dem Abend Dirigent des Mitarbeiterensembles, hat so manche Fortbildung von Bläsern aus den Posaunenchören begleitet. Von ihm komponiert erklang die Choralfantasie zu „Ich steh an deiner Krippen hier“.

Der Bundessekretär für Posaunenarbeit im CVJM-Westbund zeigte sich beeindruckt von dem Können der Siegerländer Posaunenchöre und der qualifizierten Schulungsarbeit. Diehl: „Es gibt im CVJM-Westbund seines gleichen nicht noch einmal.“ Den Jungbläsern gab er den Rat: „Nicht aufhören, immer weitermachen.“

Mit einer Choralfantasie von Christian Sprenger, „Ein feste Burg ist unser Gott“ und dem „Gloria sei dir gesungen aus der Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Johann-Sebastian Bach ging ein besonderes Posaunenfest zu Ende, das eindrucksvoll zeigte: Veränderung trägt.

kp

Ein gewaltiger Klangköper mit 400 Bläsern im großen Saal der Siegerlandhalle. Fotos Karlfried Petri

 

Dörte Siebel und Markus Gräf (v. li.) führten durch den Festabend.

 

Für Kreis-Chorleiter Ulrich Stücher war der Taktstock wie ein Zauberstab für himmlische Musik zum Lobe Gottes.

 

Die Jungbläser zeigten deutlich, auf welch hohem Niveau schon jetzt ihre Musik erklingt.

Superintendent Peter-Thomas Stuberg: „Ihr schafft mit der Musik, dass der Glaube zweifelsfreier wird. Gott selbst erklingt zwischen den Klängen.“


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