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200 Jahre Ev. Kirchenkreis Siegen


 

Die Kirche wird Institution

Die Kirche Jesu Christi entstand nach den Ausführungen der Apostelgeschichte aus der Gruppe von 12 Jüngern und weiteren Personen, darunter auch etliche Frauen, nach der von ihnen bezeugten Auferstehung Jesu von den Toten. Als Geburtsstunde der Kirche wird in den christlichen Gemeinden das Pfingstfest gefeiert. Das Wort "Kirche" kommt vom grch. „kyrios“ (Herr). Die Kirche gehört zum Kyrius, zum Herrn Jesus Christus. Damit wird deutlich, Kirche ist keine statische Größe, sondern ein Ausdruck der Beziehung. Kirche ist eine Mischung aus Ereignis, Bewegung und Institution.

Anfangs in Jerusalem, entstand im Römischen Reich ein Netzwerk von christlichen Gemeinden an unterschiedlichen Orten, besonders in Kleinasien, der heutigen Türkei. Staatliche Entwicklungen und göttliche Verehrungsansprüche führten unter den römischen Kaisern Decius, Valerian, Diocletian zu massiven Verfolgungen der Christen, die erst 311 endeten.

Kaiser Konstantin kam an die Macht und erklärte 313 die Verfolgung für beendet. Unter seiner Herrschaft wurde das Christentum als Religion anerkannt und als Integrationskraft für den Erhalt seines Weltreiches genutzt. Das Christentum wurde zur Staatsreligion und damit „Staatssache“. Es erfuhr vielfältige Förderung durch den Römischen Kaiser, der nun politischer Machthaber und Kirchenoberhaupt gleichermaßen war.

Mehr als eineinhalb Tausend Jahre lang bestand fortan diese enge Verbindung zwischen Staat und Kirche.

Die christlichen Gemeinden breiteten sich aus. Auch während der Zeit der Völkerwanderung. Mit der Zeit der sogenannten Alten Kirche ging die Antike ihrem Ende (5. Jahrhundert) entgegen und mit dem frühen Mittelalter (6.–10. Jahrhundert) begann die Christianisierung der Franken und Angelsachsen sowie weiterer Teile Europas. Bischof Bonifatius hinterließ in Bayern, Thüringen, Hessen und Friesland seine Spuren.

Mönche gründeten Klöster als Orte der Frömmigkeit und der Bildung, aber auch der wirtschaftlichen Macht.

Ein Herrscher prägte diese Zeit in besonderem Maße: Kaiser Karl der Große, der 768 an die Macht kam. Unter seiner Herrschaft erfolgte eine weitere Christianisierung, auch – aus heutiger Sicht – mit zu verabscheuenden Mitteln. In kirchlichen Angelegenheiten hatte er großen Einfluss. Er stieß eine Bildungsreform in seinem riesigen Reich an. Die Menschen sollten lesen und schreiben lernen.

 

INVESTITURSTREIT

Das ineinander Verwobensein von Staat und Kirche war immer wieder verbunden mit dem Kampf um die Vorherrschaft. Wer hatte das Recht Bischöfe und Äbte einzusetzen? Der Papst oder der Kaiser? Damit verbunden war die Sicherung von Machtverhältnissen, da Bischöfe und Äbte höchste Funktionen im Staatsapparat ausübten. Der Investiturstreit fand seinen Höhepunkt im sogenannten Gang nach Canossa. Der 26-jährige König Heinrich IV. unternahm nach seinem Ausschluss aus der Kirche 1076/1077 einen Bitt- und Bußgang zu Papst Gregor VII. zur Burg Canossa, wo der Kirchenbann gegen ihn wieder aufgehoben wurde. Der Papst hatte sich als der Mächtigere erwiesen.

 

Chorraum der Ev. Martini-Kirche Netphen.

 

BEKENNTNISSTREIT

Im ausgehenden Mittelalter trat der Mönch Martin Luther auf, dessen Thesen von 1517 die kirchliche, aber auch die politische Welt, grundlegend verändern sollten. Die Evangelische Kirche verbreitete sich mit Hilfe der Fürsten und Landesherren in vielen Landesteilen. Es bildete sich das lutherische und das reformierte Bekenntnis heraus, deren jeweilige Anhänger nicht selten gegeneinander stritten.

Um 1530 entstanden im Siegerland die ersten evangelischen Kirchengemeinden. Inspektor Leonhard Wagner war von 1531–1568 der erste „Superintendent“ und Pfarrer an der Siegener Martinikirche. 1581 nahm Johann VI. („der Ältere“) das reformierte Bekenntnis an, führte den Heidelberger Katechismus ein und veranlasste die Bildung von Presbyterien. Es kamen allerdings noch einige Jahre großer Unruhe. Auch der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) betraf das Siegerland. 1624 begann die Gegenreformation. Johann VIII. („der Jüngere“) ging massiv gegen die Evangelischen in Siegen und vielen Ortschaften des Siegerlandes vor. Netphen und Umgebung (Johannland) blieben katholisch.

In dieser Zeit gab es im Siegerland 19 Jahre lang keinen Inspektor (Superintendenten). 1632 rettete Fürst Johann Moritz das reformierte Bekenntnis im Siegerland und 1645 übernahm D. Johann Irlen als Inspektor die Aufsicht über die evangelischen Pfarrer.

Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen ließ am 17. August 1658 aus Dank für seine Erhebung in den Reichsfürstenstand eine große vergoldete Krone, im Volksmund Krönchen genannt, auf dem Turm der Nikolaikirche anbringen.

 

WESTFÄLISCHER FRIEDE

Der Westfälische Friede von 1648 ergab eine Gleichberechtigung der drei großen Konfessionen: der Katholiken, der Lutheraner und nun auch der Reformierten. Religionskriege waren nach 1648 in Deutschland ausgeschlossen.

Friedenssaal zu Münster

Einige Jahrzehnte später drang der Pietismus mit seinen Hausversammlungen ins Siegerland ein und nahm Einfluss auf das kirchliche Denken und Leben. Die von Fürst Adolph erlassene Kirchenordnung von 1716 versuchte hier Einhalt zu gebieten und geordnete Verhaltensweisen vorzugeben.

Anfang des 18. Jahrhunderts war der Aufsichtsbezirk Siegen einer der drei Aufsichtsbezirke des Landes. Er wurde von einem Inspektor geleitet, der u. a. die Aufsicht über die Pfarrer und Lehrer hatte. Die Synode der Prediger hatte nur beratende Funktion. Gemeinsam mit dem Inspektor überlegten sie, was zur Förderung des kirchlichen Lebens dienen könnte. Die kirchliche Aufsicht und Verwaltung oblagen dem Oberkonsistorium, einer Kirchenbehörde. Die oberste Entscheidung hatte der Landesherr.

kp