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200 Jahre Ev. Kirchenkreis Siegen


 

Die Neuorganisation der evangelischen Kirche

 

DIE KIRCHENORDNUNG VON 1923

Nach der endgültigen Trennung zwischen Staat und Kirche war die Evangelische Kirche der Altpreußischen Union (APU) nun aufgefordert, eine neue kirchenpolitische Ordnung zu erarbeiten. Sie musste sich selbst eine Verfassung geben. Nach den Wirren der Kriegsjahre wünschte sich die Bevölkerung wieder Normalität und klare Strukturen, auch innerhalb der Kirche.

Im Zuge der dann am 6. November 1923 erlassenen Kirchenordnung blieben die bisher geltenden presbyterial-synodalen Grundelemente erhalten. Der synodale Aufbau und auch die kirchliche Eigenständigkeit gegenüber den Verwaltungsbehörden blieben bestehen. Den Gemeinden wurde das Recht erteilt, die Pfarrer selbst zu wählen. Dies geschah auf der Basis des Presbyteriums und der sogenannten „Größeren Gemeindevertretung“, die als Selbstverwaltungsorgane der Kirchengemeinden fungierten.

Auf kreiskirchlicher Ebene setzte die Kirchenordnung von 1923 die Kreissynode und den Kreissynodalvorstand (KSV) als rechtsgültige Selbstverwaltungsorgane ein. Diese Kreissynode bestand schon damals aus dem Kreissynodalvorstand, einzelnen Pfarrern sowie Laien- und Fachvertretern. Die Superintendenten wurden vom Provinzialkirchenrat ernannt.

 

SONDERRECHT IN WESTFALEN UND IM RHEINLAND

Hierin wurde den westfälischen und rheinischen Kreissynoden allerdings ein bedeutendes Sonderrecht eingeräumt, ebenso wie den rheinischen Synoden. Die Kreissynode Siegen durfte gemeinsam mit dem Kreissynodalvorstand den Superintendenten selbst wählen. Auch hinsichtlich einer möglichen Änderung der Kirchenordnung war bereits seit 1922 festgeschrieben, dass die Provinzialsynoden im Rheinland und in Westfalen vorher zu hören und zu befragen seien.

Diese Sonderrechte rühren aus der stark reformierten Grundhaltung der rheinischen und westfälischen Gebiete, die von vornherein für Gleichheit und Selbstbestimmung in der Kirche plädiert hatten. Um ihnen entgegen zu kommen, wurden die oben beschriebenen doch weitreichenden Sonderrechte erlassen und prägten wiederum das Selbstverständnis dieser Kirchenprovinzen stark.

 

Förderung des „kreiskirchlichen Denkens“

Durch die Bestärkung des presbyterial-synodalen Systems innerhalb der westfälischen Kirchenprovinz wurde auch das „kreiskirchliche Denken“ weiter in den Köpfen der Menschen manifestiert. Die seit 1818 festgelegte „Rechtsgestalt“ der Diözesen beziehungsweise Kreissynoden war nun weitgehend akzeptiert und nahm auch in der Kreissynode Siegen einen festen Platz ein.

mmü