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200 Jahre Ev. Kirchenkreis Siegen


 

Die Verwaltung des Kirchenkreises

Gert Mudersbach, Leiter des Kreiskirchenamtes von 1992 bis 2000, erinnert sich an die Anfänge und Entwicklung der Verwaltung des Kirchenkreises.

 

Die Superintendentur und die Verwaltung des Kirchenkreises hatten unmittelbar nach dem Krieg im Pfarrhaus in Niederschelden, Am Kirchberg 10, ihren Platz. Superintendent Ernst Achenbach (senior) war Pfarrer in der Kirchengemeinde Niederschelden und dort zuständig für Niederschelderhütte. Das Amt des Superintendenten wurde von ihm nebenamtlich ausgeübt.

Die kreiskirchliche Verwaltung, ebenfalls im Pfarrhaus untergebracht, bestand aus dem Rechnungsprüfer, der Sekretärin, einer Teilzeitkraft für die Kirchensteuer sowie einem Lehrling. Die Verwaltung war zuständig für die Führung der Kasse des Kirchenkreises, einschließlich Kollekten- und Bruderhilfskasse für die Kirchen in der DDR. Zudem mussten die Kirchensteuern eingenommen werden, erinnert sich Mudersbach. Seit 1949/50 gab es das Lohnabzugsverfahren und auch das Prinzip der Ortskirchensteuer, das bis heute besteht. Alle Gemeindeglieder sind gegenüber der Kirchengemeinde ihres Wohnortes steuerpflichtig. Etliche Arbeitnehmer, die in einem Ort wohnen, haben jedoch ihre gehaltszahlende Kasse andernorts. Dazu gehörte damals beispielsweise die Polizei mit ihrer Kasse in Düsseldorf. Dazu gehörten die Lehrer und die Post hatte ihre Verwaltung in Dortmund. Niederschelderhütte gehört zudem zum Bundesland Rheinland-Pfalz. Für die Angestellten der Hüttenwerke Siegerland war die Verwaltung in Siegen, für die Arbeiter in Niederschelderhütte. Die Steuern für die Arbeiter wurden somit nach Altenkirchen abgeführt. Die Aufgabe des Kirchenkreises lag darin, von denjenigen Kirchenkreisen die Kirchensteuern zurückzufordern, die von den Finanzämtern die Kirchensteuern zugewiesen bekamen. Dazu musste jede einzelne Steuerkarte geprüft werden. Die Auswertung erfolgte über Wochen im Finanzamt. Wo wohnt die Person? Wo arbeitet sie? Für diese Arbeiten war die Teilzeitkraft zuständig. Der Lehrling wurde mit eingebunden. Ehrenamtlich half zudem die Ehefrau des Verwaltungsleiters Neuser mit.

 

Erst ab 1964, als das Evangelische Gymnasium Weidenau errichtet wurde, erweiterten sich die Aufgaben und das Personal. Die Verhandlungen mit dem Regierungspräsidenten zum Bau des Gymnasiums führte der damalige Oberkreisdirektor i. R. Dr. Moning. Mudersbach: „Dr. Moning war da sehr stark engagiert und hat viele Dinge positiv auf den Weg gebracht.“

Später, 1961, zog die Verwaltung des Kirchenkreises um in den Bürbacher Weg. Dort hatte der Kirchenkreis ein Wohnhaus gebaut. Diese Phase dauerte bis 1970/71.

 

Kreiskirchenamt

Denn 1970 wurde das Kreiskirchenamt gegründet, aufgrund der Verwaltungsreform von 1968 in der westfälischen Landeskirche. Damals wurden in allen Kirchenkreisen Kreiskirchenämter eingerichtet. Die Landeskirche kam anhand der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung zu der Einsicht, dass die Verwaltung professioneller geregelt werden müsse. Für unterschiedliche große Kirchenkreise, ausgehend von Gemeindegrößen, Anzahl der Gemeinden oder Arbeitsaufkommen wurden Kreiskirchenämter konstruiert und Stellenpläne erstellt.

Der Verwaltungsleiter des Kirchenkreises, Karl Neuser, wurde der erste Leiter des Kreiskirchenamtes. Dadurch konnte er allerdings nicht mehr Rechnungsprüfer sein.

Die Kirchengemeinde Siegen hatte damals ein eigenes Gemeindeamt mit 5–6 Mitarbeitenden. Zuerst in der Frankfurter Straße und dann wurde 1963/64 hinter der Nikolaikirche in der Pfarrstraße neu gebaut und das Gemeindeamt zog dort ein. Der Gemeindeamtsleiter der Kirchengemeinde Siegen wurde Rechnungsprüfer des Kirchenkreises.

1971, nach einigen Umbauarbeiten, zog das Kreiskirchenamt in die Pfarrstraße hinter die Nikolaikirche. Verwaltungsleiter Neuser, der dort zuvor eine Wohnung hatte, zog in das zu einer Wohnung umgebaute Haus im Bürbacher Weg.

Mudersbach: „Das Kreiskirchenamt übernahm immer mehr Verwaltungsaufgaben von Kirchengemeinden. Die sechs Siegener Gemeinden und der Kirchenkreis bildeten erst einmal den Aufgabenrumpf des neuen Kreiskirchenamtes. Dann kamen Gemeinden wie Oberfischbach, Oberholzklau, Niederdresselndorf und Ferndorf hinzu. Und nach und nach immer mehr. Das bedeutete aber auch mehr hauptberufliche Mitarbeitende mit der Folge, wir brauchten mehr Platz.“ Die Räumlichkeiten in der Pfarrstraße wurden zu eng und man überlegte, wo das Kreiskirchenamt ausreichenden Platz finden könnte. Letztendlich wurde das Kreiskirchenamt im ehemaligen Kinderheim Johann-Moritz-Stift in der Burgstraße untergebracht. In die ersten Überlegungen kamen beispielsweise die Sparkasse in Weidenau oder das ehemalige Wichernheim der Inneren Mission, in der Leimbachstraße. Das passte aber alles nicht. Und dann bot sich das Johann-Moritz-Stift an, weil dieses Gebäude für die Betreuung von Jugendlichen nicht mehr benötigt wurde. Mit Architekt Blöcher wurde gemeinsam überlegt, wie die Räumlichkeiten am sinnvollsten für die neue Nutzung umgestaltet werden könnten.

Haus der Kirche

Die Bezeichnung „Haus der Kirche“, so Mudersbach, habe für den damaligen Superintendenten Ernst Achenbach (junior) eine besondere Bedeutung gehabt. Das Haus der Kirche war für ihn auch immer ein Haus der Begegnung, wo kirchliches Leben stattfinden sollte. Dazu gehörten die Pfarrkonferenzen, Sitzungen, Beratungseinrichtungen und auch das Sozialreferat. Mudersbach: „Das Haus wurde  umgebaut. Und 1981 sind wir dann hier eingezogen.“

Zwischenzeitlich in den 70er Jahren war Karl Neuser in Ruhestand gegangen. Dann wurde Hartmut Holze aus Wittgenstein Verwaltungsleiter. 1992 bis 2000 übernahm Gert Mudersbach die Leitung des Kreiskirchenamtes Siegen.

Türbogenfeld mit Inschrift von 1912 über dem Eingang zum Haus der Kirche.

Das Haus der Kirche bot auch den Referaten des Kirchenkreises Platz. Das erste war nach seiner Erinnerung das Schulreferat. Dann wurde ein Sozialreferat eingerichtet. Dieses war ursprünglich gedacht als kirchliche Verbindung zur Arbeitswelt mit Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Das änderte sich durch die erste Rezession 1974. Es gab immer mehr Arbeitslose und damit sah sich die Kirche in der Pflicht, sich beratend zu engagieren. Auch eine Lehrwerkstatt für Schreiner wurde eingerichtet. Später erfolgte eine Erweiterung dieses Referats durch die Erwachsenenbildung. Hinzu kamen die Telefonseelsorge sowie die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle. Es folgte das Kindergartenreferat, das Jugendreferat, welches  zwischenzeitlich im Zeughaus untergebracht war, und das Öffentlichkeitsreferat.

Zum 1. Januar 2001 wurden die Verwaltungen der Kreiskirchenämter Wittgenstein und Siegen zusammengelegt zum Kreiskirchenamt Siegen/Wittgenstein, zunächst mit einer Filiale in Bad Berleburg.

 

Pflegedienst

Eine große Veränderung erfuhren auch die Pflegeeinrichtungen. Pflegedienste übernahmen  zunächst 30 Gemeindeschwestern und Diakonissen. Dann kam staatlicherseits die Vorgabe zur Einrichtung von Sozialstationen. Die wurden territorial pro 20.000 Einwohner mit einem entsprechenden Personalschlüssel festgelegt. Der Kirchenkreis konnte sich dieser Aufgabe nicht entziehen und so wurden verschiedene Sozialstationen eingerichtet. Gert Mudersbach war der erste Geschäftsführer. Die kirchlich betriebenen Sozialstationen hießen Diakoniestationen. Davon gab es drei in Siegen. Hinzu kam Freudenberg, in Netphen gab es einen kirchlichen Pflegedienst, in Neunkirchen eine Sozialstation gemeinsam betrieben mit dem DRK und eine Station in Kreuztal. Die Sozialstationen wurden staatlich bezuschusst. 1995 wurde die Pflegeversicherung eingeführt. Mudersbach: „Damit änderte sich alles. Es gab keine territoriale Abgrenzung mehr. Jeder Pflegedienst konnte seine Leistungen überall anbieten. Es entstand ein Markt.“ Zwischenzeitlich erhöhte sich der Bedarf an Pflegedienstleistungen wesentlich. Die Verwaltung war im Kreiskirchenamt nicht mehr leistbar und wurde an die Diakonie Südwestfalen abgegeben.