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Lifestyle in Tanzania and Germany – and its challenges for the Churches

Lifestyle in Tansania und Deutschland – und seine Herausforderungen für die Kirchen

16-köpfige Delegation des Ev. Kirchenkreises Siegen zu Gast im Partnerkirchenkreis Magharibi, Ost- und Küstendiözese der Ev. Luth. Kirche in Tansania (ELCT) vom 08. bis 30. August 2013

Ungewöhnlich groß ist die Reisegruppe des Ev. Kirchenkreises Siegen, die am 8. August 2013 in einem Gottesdienst der Christus-Kirchengemeinde ausgesandt und schließlich am Flughafen Frankfurt mit guten Segenswünschen von ihren Familien und Freunden verabschiedet wird. Neben der Reiseleiterin Kerstin Nagel und dem Jugendvertreter Christian Seiffarth zählen nicht nur 8 Delegierte der Kirchengemeinden zu der Delegation – Jens Achenbach aus der Partnerschaft Ferndorf-Mkuza; Bärbel Debus und Pfr. Thomas Walter Burbach-Kiluvya; Ruth Demandewicz, Weidenau-Tumbi; Pfr. Ralf Prange, Christuskirche-Kibamba; Heidi Soose, Klafeld-Bagamoyo; Pfrn. Katharina Wangemann, Martinikirche-Mailimoja und Miriam Wehn, Wilnsdorf-Mlandizi – sondern auch 2 Lehrkräfte und 2 Schülerinnen des Ev. Gymnasiums Siegen: Ehepaar Erhard Fries und Annette Sedeit-Fries, Christina Hietsch und Lisa Krämer folgen der Einladung von Superintendent Job Mwaisaka bei seinem Besuch im Herbst 2012 in Siegen und bauen einen ersten Kontakt zur Mbwawa Secondary School im Kirchenkreis Magharibi auf. Schließlich dient die Reise auch als Antrittsbesuch des Siegener Superintendenten Peter Stuberg sowie des MÖWe-Regionalpfarrers Martin Ahlhaus in der afrikanischen Partnerkirche, mit der der südwestfälische Kirchenkreis bereits seit den 1980er Jahren freundschaftlich verbunden ist.

Nach dem langen Interkontinentalflug via Dubai empfangen uns Gastgeber, Mitarbeitende des Kirchenkreises und der Kirchengemeinden am Julius-Nyerere-Flughafen in Daressalam mit roten Rosen und einem vielstimmigen „Karibu sana“. Wohin man sieht, strahlende und lachende Gesichter, herzliche und innige Umarmungen, große Freude über unsere Ankunft und gespannte Neugier auf die nächsten drei Wochen.

 

Denn die sind randvoll mit vielen verschiedenen Meetings und Informationen, Gemeindebegegnungen und persönlichen Gesprächen. Als Delegierte des Kirchenkreises sind wir zu Gast in den Familien der zuweilen weit voneinander entfernt liegenden Gemeinden, treffen uns aber regelmäßig zu gemeinsamen Exkursionen und besonderen Thementagen:

- Der „District Day“ im festlich geschmückten Gemeindesaal von Tumbi macht uns mit der Arbeit des Kirchenkreises bekannt: dessen 17 Haupt- und 43 Filialgemeinden erstrecken sich vom westlichen Stadtrand Daressalams aus in das Hinterland dieser ausufernden Metropole am Indischen Ozean; wie an einer Perlenkette reihen sie sich von Mbezi Luis bis Mlandizi an der asphaltierten und stets verstopften Ausfallstraße aneinander.

- Der „Diocese Day“ im Luther House Center neben der 1899 gebauten Azania Front Church im Geschäftsviertel von Daressalam dient dem Gespräch mit der Kirchenleitung und dem leitenden ELCT-Bischof Dr. Alex Malasusa, der sich für uns Zeit nimmt und das ehrgeizige Auf- und Ausbauprogramm seiner rasch wachsenden Diözese (= Landeskirche) mit den Schwerpunkten Mission, Diakonie und Bildung vorstellt.

- Der „Mbwawa Day“ in der kirchlichen Secondary School gewährt uns mit Präsentationen der rd. 130 Schülerinnen und Schüler und Beratung mit dem Lehrerkollegium einen Einblick in den tansanischen Schulalltag und Unterricht. Feierlicher Höhepunkt des Tages ist die Einweihung des mit Spenden aus Siegen finanzierten Wasserbrunnens, der die Internatsschule mit dem in Ostafrika so dringend notwendigen Frischwasser versorgt.

- Beim „Youth Day“ erleben wir hautnah die erfrischende Musikalität und tiefe Religiosität der Jugendlichen aus den verschiedenen Gemeinden des Kirchenkreises, erfahren aber auch ihre drängenden Fragen zu Schulbildung und Berufsausbildung in Tansania. In engagierten Beiträgen kritisieren sie zahlreiche Missstände in Politik und Wirtschaft, positionieren sich aber auch als die Generation, die ihr Land deutlich nach vorne bringen will.

- Der „Kilwag Day“ zeigt uns die enorme Kreativität und Aktivität der kreiskirchlichen Frauengemeinschaft: zuerst im Rohbau des künftigen Magdalena-Kröber-Hauses, in dem Mädchen und junge Frauen Schutz vor Prostitution und Ausbeutung sowie Hilfe zur Beratung und Ausbildung finden sollen – und anschließend bei Musik, Gebet und Tanz sowie einer Verkaufsausstellung von wunderschönem Kunst- und Textilhandwerk in Bagamoyo.

- Die „Parish Days“ am Sonntag dienen dem persönlichen Kennenlernen der Partnergemeinden und beginnen früh am Morgen mit mehrstündigen Gottesdiensten, in denen wir als ökumenische Gäste herzlich begrüßt werden, Grüße aus dem Siegerland überbringen und von unseren Partnern gerne zu Predigt, Taufe und Abendmahl eingeladen werden. Ein besonders festlicher „Parish Day“ besiegelt offiziell die 8. kreiskirchliche Gemeindepartnerschaft zwischen Burbach und Kiluvya mit dem symbolischen Handschlag und einer Baumpflanzung.

 

Neben den offiziellen Terminen gewährt ein Partnerschaftsbesuch anders als jede Touristentour naturgemäß einen viel dichteren Einblick in den tansanischen Familien- und Gemeindealltag. Ob Chorprobe in der Kirche, Evening Prayer in der Familie, dreifacher Kollektengang im Gottesdienst oder Dankgebet bei jeder Busfahrt (Autofahren in Tansania ist nichts für Feiglinge!): Manches erscheint altbekannt wie die vielen Gesangbuchmelodien aus Deutschland, Anderes wiederum sehr gewöhnungsbedürftig wie das Versteigern von Federvieh nach dem Gottesdienst - und Vieles in Tansania ist vertraut und fremd zugleich, z.B. die soziale Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich, aber auch die ungleich größere, brutale Kluft zwischen offener Pracht und nackter Not in Afrika.

Was bedeutet angesichts dieser Erfahrungen „von Fremdheit und Freundschaft“ (Titel des VEM Partnerschaftshandbuches) eigentlich ökumenische Kirchenpartnerschaft? Weder ist sie Mission noch Entwicklungshilfe und hat doch Teil an beiden. Wie die Liebe überschreitet Partnerschaft kontinentale und emotionale Grenzen, beginnt mit Gebet und Segen wie ein Gottesdienst und hört anders als Freundschaft beim Geld nicht auf. Was macht Partnerschaft im Kern aus und wie erweist sie sich an den Rändern, an den Rändern unserer Gemeinden, unserer Gesellschaft? Um diese zentralen Fragen kreisen unsere Gedanken und Gespräche auf großer Fahrt und in kleiner Runde. Zeit zum Denken und Reden gibt es jedenfalls genug auf der stundenlangen Busfahrt zum Ngorongoro-Krater bei Arusha (auf Augenhöhe mit Zebra und Büffel und in Reichweite von Elefant und Löwe) und zum Fuß des Kilimandscharo bei Moshi (leider versteckt sich Mount Kibo bis zuletzt in den Wolken). Auch die Inseltour nach Sansibar mit Besichtigung in Stonetown und Besuch einer Gewürzfarm liefert reichlich Stoff für interne wie externe Diskussionen. Partnerschaft ist Dialog, so lernen wir, lebt von Austausch und Solidarität über Grenzen hinweg. Das gilt auch für den interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen in Tansania, der aktuell notwendiger ist denn je, um das traditionell gute Miteinander der beiden Religionen zu bewahren und gegen radikale Kräfte auf der einen wie der anderen Seite zu verteidigen.

Das abschließende „Joint Meeting“ am vorletzten Tag bietet nicht nur Gelegenheit zu Rückblick und Feedback, sondern auch zur Präsentation der Ergebnisse zum Thema „Lifestyle in Tansania und Deutschland“: die offenkundigen Unterschiede zwischen beiden Ländern in Wirtschaft und Gesellschaft, Alltagskultur und Lebenswirklichkeit wirken auch auf die unterschiedlich hohe Bedeutung von z.B. Religion und Familie ein. Sie prägen das Lebensgefühl unserer Zeit und stellen jede Kirche vor die Aufgabe, das gemeinsame Evangelium in dem je eigenen Kontext zu verkünden, Mission verständlich zu leben und Diakonie verantwortlich zu gestalten. Gerade die Partnerschaft und Verbundenheit zweier sehr unterschiedlicher Kirchen kann helfen, sich der eigenen Gaben und Aufgaben bewusst zu werden, gemeinsam mit der Partnerkirche dem lebendigen Gott zu trauen und Schritte zu den Menschen von heute zu wagen. So schließt der Partnerbesuch 2013 wie er begonnen hat: mit großem Hallo und vielfachem Farewell, mit Gastgeschenken von kleinen Engeln bis weiten Kangas - und einem lauten Karibuni sana: Seid herzlich willkommen, liebe Freunde und Freundinnen, demnächst bei uns in Deutschland!

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   





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