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Zu Gast bei Freunden in Tanzania 2006

Am 7.7.2006 startete eine Gruppe zu einem Besuch in den Partner-Kirchenkreis Kibaha / Tansania. Diesmal reisten fünf junge Erwachsene aus der Partnerschafts-Jugendgruppe des Kirchenkreises Siegen sowie zwei Vertreter der Gemeinde Weidenau und des Kirchenkreises Siegen. Nach ihrer Rückkehr schilderten die sieben Reisenden einige ihrer Erlebnisse:

Das Leben in der Gastfamilie (Erika Geerling)

Der Morgen...
Mein erster Weg morgens führt ins Badezimmer. Die Spannung steigt, wenn ich den Wasserhahn aufdrehe. Gibt es heute Wasser? Erleichterung, wenn es in die große gelbe Wanne darunter plätschert. Aber an manchen Tagen kommt einfach kein Wasser. Dann nehmen wir uns die großen Eimer und holen es aus den Vorräten im Hühnerstall. Nach vier bis fünf Gängen ist die Wanne voll und davon können wir vier Mädels (meine Gastschwester Rachel, Happiness, Grace und ich) uns waschen. In vielen anderen Familien in Tanzania müssen die Menschen jeden Morgen zur nächsten Wasserstelle gehen, nicht jeder hat einen Wasseranschluss im Haus. Da bin ich doch froh über mein Wasser aus dem Hühnerstall, auch wenn es nicht immer so angenehm riecht...  Zum Duschen gieße ich mir dann das Wasser mit einem kleinen Eimer über. Die „Toilettenspülung" funktioniert ebenso.
Der Nachmittag...
Das Programm am Vormittag ist vorbei und ich bin wieder in meiner Gastfamilie. Und wie immer gilt auch an diesem Nachmittag das Motto „There is no hurry in Africa". Die Erfahrung, dass hier manchmal stundenlang gar nichts geschieht, macht mir gelegentlich ganz schön zu schaffen. Doch bevor mir die Decke auf den Kopf fällt, kommt Grace vorbei und nimmt mich an die Hand. Grace ist (ebenso wie Happiness) eine Verwandte meiner Gastschwester, die mit im Haus lebt. Wie sie miteinander verwandt sind, weiß keiner so genau. Das ist auch egal, denn sie sind, genauso wie ich, einfach Schwestern. Grace führt mich zu dem Shop direkt neben dem Hühnerstall. Gerade verkauft der houseboy einen lebendigen Hahn. Grace nimmt ihn und gibt ihn mir. „Hier, halt mal." Das Fleisch ist eben immer frisch und wird meist noch lebendig verkauft. Wir gehen zurück zum Haus. Meine Gastmutter sitzt gerade zusammen mit Rachel und Happiness draußen auf einer Decke während eine traditionell tanzanisch gekleidete Frau ihr eine neue Frisur macht. „Komm mit,“ sagt Rachel und zusammen mit Happy gehen wir los, laufen auf Trampelpfaden durch hohe Wiesen, vorbei an Orangenbäumen, Kokosnusspalmen, und Süßkartoffelfeldern. Wir besuchen ihren Onkel. Rachels Cousine ist auch da und die beiden unterhalten sich sofort über ihre Schulzeit, welche Jungs in ihrer Klasse waren und wie sie die Lehrer geärgert haben. Manche Dinge sind in Tanzania anscheinend genau wie in Deutschland.
Kochen am Abend...
Wieder zu Hause angekommen stehe ich in der Küche an dem großen Esstisch und schneide den Kohl, Paprika und Möhren für cabbage. Der Raum ist erfüllt von dem Duft der Gewürze, die in Pilaw, einem typischen tanzanischen Reisgericht, verwendet werden. Durch das Fenster sehe ich den houseboy draußen vor der Küche fegen. Dabei übertönt er rnit seinem Gesang fast das Gackern der Hühner. Aber eben nur fast, Happiness kommt in die Küche. Sie guckt in die Töpfe und rührt kurz um. Sie grinst mich an, guckt mir über die Schulter und setzt sich dann neben mich, um Zwiebeln zu schälen. Wir unterhalten uns halb auf Kiswahili, halb auf Englisch und jede Menge mit Händen und Füßen bis Rachel in die Küche kommt. Sie will noch Kochbananen zubereiten, also gehen wir zusammen raus in die Shamba. Dort wachsen verschiedene Früchte und Gemüsesorten, die zum täglichen Leben wichtig sind. „Die grünen Bananen da sind zu klein, nehmen wir lieben die hier," meint Rachel. Mit einer Staude Kochbananen geht´s zurück in die Küche.
Nach dem Essen trifft sich die Familie noch zur Bible Study im Wohnzimmer, wie jeden Montag. Nach einer Andacht, die soll ich heute halten, gemeinsamen Singen und Beten, endet der Tag, wie jeden Abend, vor dem Fernseher. Dann verkrieche ich mich unter mein Moskitonetz, wünsche Happy und Grace im Bett neben mir „Lala salama" (d.h. „Schlaf gut!"), höre den Grillen beim Zirpen zu und freue mich auf den nächsten Tag, an dem ich entweder vom Gesang des Muezzins oder dem Gegacker der Hühner geweckt werde.

      

 


 

2. Reisebericht der Jugendgruppe 2006.

Safari durch Tanzania (Andrea Müller)

Neben unseren Erlebnissen in den Familien und bei den offiziellen Terminen, wurde uns auch in touristischer Hinsicht ein sehr abwechslungsreiches Programm geboten. Zu Beginn unserer zweiten Woche in Tanzania traten wir, begleitet von sieben unserer tanzanischen Freunde, die Reise in den nördlichen Teil des Landes an. Vorbei am Usambaragebirge, erreichten wir nach 10-stündiger Busfahrt unser erstes Ziel: die Stadt Arusha. Sie sollte der Ausgangspunkt für unsere Safari durch den Ngorongoro-Nationalpark sein.
Nach einem Besuch des Gottesdienstes der evangelisch-lutherischen Gemeinde und einem Stadtrundgang durch Arusha war es am Montag so weit. Mit zwei Kleinbussen fuhren wir 2 ½ Stunden in Richtung des Ngorongoro-Kraters. Die schlechte Sicht, die uns an diesem Morgen verfolgte, kam nicht nur durch die starke Bewölkung - unser Bus bevorzugte es, die Abgase und den Qualm direkt ins Wageninnere zu befördern. Mit weit geöffneten Fenstern erreichten wir die Einfahrt des Nationalparks und hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, auch nur ein einziges Tier sehen zu können. Der Nebel war inzwischen sehr dicht geworden und verwehrte uns die Sicht über eine Distanz von 20 Meter hinaus. Ein abenteuerlicher Weg führte uns zum Krater. Endlich lichteten sich auch die Wolken und es bot sich uns ein wunderbarer Blick über den Krater. Die vor uns erscheinende Landschaft schien seit Jahrtausenden unberührt. Eine unbeschreibbare Stille unterstrich das Gefühl, dass die Zeit hier stehen geblieben war. Gespannt setzten wir unseren Weg in den Krater fort und entdeckten Horden von Zebras, Gnus, und Antilopen, zwei Elefanten, einige Affen und viele andere Tierarten in ihrem natürlichen Lebensraum. Auch die Löwin, die zwei Meter von unserem Auto entfernt ihre Mittagsruhe hielt, ließ sich nicht durch das Knipsen der Fotoapparate irritieren. Die Zeit ging leider viel zu schnell vorbei. Da wir am nächsten Tag das Kilimanjaro- Massiv durchwandern wollten, mussten wir aufbrechen, um ins 3 Stunden entfernte Moshi zu fahren. Unglücklicherweise verließen unseren Bus auf der Hälfte der Tour die Kräfte und wir konnten den Weg erst fortsetzen, nachdem der Kühler mit kaltem Wasser gefüllt worden war. Müde und viel zu spät erreichten wir Moshi, das am Fuße des Kilimanjaro- Massivs gelegen ist, und blickten erwartungsvoll auf den nächsten Tag.
Doch auch am nächsten Morgen war das Wetter nicht besser und wir mussten uns für unsere Wanderung warm anziehen. Unser Ziel war die Bergstation „Mandara“ (2720 m. ü. NN) im östlichen Teil des Kilimandjaro-Massivs, die ca. 900 Höhenmeter von unserem Ausgangspunkt entfernt war. Spätestens nach einer Stunde wandern waren wir froh, dass das Klima an diesem Tag eher kühl geblieben war. Jedoch hatten wir bisher den Kibo (den berühmtesten Berg des Kilimanjaro- Massivs) noch nicht sehen dürfen - die Wolken verhinderten dies erfolgreich. Der Weg hinauf führte durch Regenwaldgebiet und war aufgrund der feuchten Verhältnisse recht rutschig. Da wir einen zügigeren Laufstil angestrebt hatten, warteten wir an unserem Ziel auf einen Großteil unserer tanzanischen Freunde, die den Aufstieg eher tanzanisch - also gemächlich- angegangen waren. Angesichts der gesunkenen Temperaturen von geschätzten 5°C verblieben wir dort jedoch nicht lange nach ihrer Ankunft und machten uns schnell wieder auf den Heimweg. Immer wieder versuchten wir einen Blick auf den Kibo zu erhaschen, doch selbst auf der Busfahrt zurück in unsere Unterkunft blieb uns dieser  durch eine dichte Wolkendecke verschlossen.
Nachdem die meisten von uns - zurück in Kibaha - die Gastfamilie gewechselt hatten und sich 2 ½ Tage dort einleben durften, ging es für uns Anfang der dritten Woche nach Bagamoyo. Die deutsche Geschichte der ehemaligen Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas wurde uns bei einer kurzen Stadtrundfahrt näher gebracht. Da Bagamoyo an der Küste nahe der Insel Zanzibar gelegen ist, war die Stadt eine Anlaufstelle für viele Sklaventransporte von Afrika nach Zanzibar, selbst Jahrzehnte nachdem der Sklavenhandel 1873 abgeschafft worden war. Wir begaben uns nach den zwei Tagen in Bagamoyo mit dem Schiff von Dar es Salaam nach Zanzibar. Diese traumhafte Insel war der ideale Ort um einmal von den aufregenden Eindrücken der letzten zwei Wochen auszuspannen. Dies setzten wir auch sofort in die Tat um und gingen an den Strand um uns zu sonnen, zu schwimmen und den Sonnenuntergang zu sehen. Denn schon am nächsten Tag war wieder ein volles Programm angesetzt. Wir besuchten eine Gewürzplantage und lernten einmal die Gewürz-Pflanzen kennen, die wir in Deutschland nur in Päckchenform zu sehen bekommen. Einige der Gewürze durften wir auch schmecken und riechen, was jedoch nicht bei allen Pflanzen sehr angenehm war.
Mit Gewürzen eingedeckt, machten wir am Nachmittag eine Stadtrundfahrt um mehr über die Geschichte der Insel Zanzibar zu erfahren. In der Altstadt („Stone Town“) besuchten wir den Markt, auf dem viele Gewürze und Souvenirs für die Touristen verkauft wurden. Auch den Sultanspalast und den mühsamen Bau von Schiffen ohne elektrische Geräte schauten wir uns an. Außerdem besichtigten wir eine anglikanische Kirche, die auf dem Grund des ehemaligen Sklavenmarkts gebaut wurde. Sehr bedrückend wirkte auf uns das Sklavenhaus, in dem die Sklaven nach ihrer Überfahrt von Bagamoyo untergebracht waren. In einem kleinen Raum, der schon mit 15 Personen gefüllt zu sein schien, mussten diese Menschen mit bis zu 70 anderen Menschen verweilen, bis sie an andere Händler verkauft wurden. Als Mahnmal des Sklavenhandels steht heute neben der Kirche ein Gebilde, das von Studenten des Bagamoyo College of Arts entworfen wurde.
Durch dieses abwechslungsreiche Programm und die Kombination von Partnerschaftsarbeit und Besichtigung von Sehenswürdigkeiten mit geschichtlichem Hintergrundwissen wird uns dieses Land in seinen vielen Facetten wohl für immer in Erinnerung bleiben.

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   





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