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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Wieder zur Taufe einladen
Kirchenkreis legt Mitgliederstatistik 2020 vor

15.07.2021 09:30

Viel weniger Taufen und mehr Todesfälle: Die Zahl der Kirchenmitglieder im Evangelischen Kirchenkreis Siegen ist im vergangenen Jahr auf 109.714 gesunken. Das sind 2,1 Prozent weniger als im Jahr 2019 (112.164). Durch die Corona-Beschränkungen konnten 2020 nur 403 Mädchen und Jungen in den 24 Gemeinden des Kirchenkreises evangelisch getauft werden. Das waren knapp 47 Prozent weniger als im Vorjahr, als Pfarrerinnen und Pfarrer noch 755 Kinder im Alter bis 13 Jahren tauften. Corona-bedingt ist auch die Zahl der Trauungen eingebrochen: So wurden nur 56 Paare kirchlich getraut, im Vorjahr waren es noch 189.

Deutlich weniger Menschen sind im Jahr 2020 im Siegerland und Olper Raum der evangelischen Kirche beigetreten. Die Zahl der Eintritte sank um knapp 29 Prozent auf 97 (2019: 136). Grund für den starken Rückgang ist vor allem, dass auch Taufen von Jugendlichen ab 14 Jahren und Erwachsenen, die bei den Eintritten mitgezählt werden, Corona-bedingt lange Zeit nicht stattfinden konnten. So sank die Zahl der Erwachsenentaufen um fast 44 Prozent. Insgesamt 807 Menschen verließen im vergangenen Jahr die Gemeinden des Kirchenkreises Siegen. Die Zahl der Austritte sank damit um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gestiegen ist dagegen die Zahl der Bestattungen: Pfarrerinnen und Pfarrer beerdigten 1.560 evangelische Gemeindeglieder - ein Anstieg um fast acht Prozent, der entscheidend mit zur sinkenden Zahl der Kirchenmitglieder beiträgt.

Auch wenn das kirchliche Leben zuletzt stark eingeschränkt war – was die gesunkene Zahl der Taufen und Trauungen verdeutlicht – betont Superintendent Peter-Thomas Stuberg, dass die Kirche während der Corona-Pandemie durchaus Kontakt zu den Menschen gehalten habe. „Es gab viele seelsorgerliche Kontakte – sei es telefonisch, postalisch oder digital, aber im Rahmen des Möglichen auch analog“, sagt der leitende Theologe des Kirchenkreises. Auch Taufen hätten teils stattgefunden, im kleinsten Rahmen und oft als Haustaufen. Viele Familien, die im größeren Kreis feiern wollten, hätten sich jedoch entschieden, das Fest zu verschieben. Angesichts der aktuellen Lockerungen gelte es nun, die Taufe als Grundstein des christlichen Glaubens wieder stärker ins Bewusstsein zu holen, betont Stuberg: „Mit der Taufe werden Menschen in die große Gemeinschaft der Christen aufgenommen. Dieses Angebot gilt für jeden Menschen.“ Dazu müsse die Kirche möglichst niedrigschwellig einladen. Neben Taufen im klassischen Gottesdienst könnten dazu auch Tauffeste in der freien Natur eine gute Möglichkeit sein.

Den Hintergründen für Kirchenaustritte geht die Evangelische Kirche von Westfalen zusammen mit der württembergischen Landeskirche in einer Pilotstudie nach, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden. Die befragten Ausgetretenen berichten demnach häufig von einer inneren Distanz zum Glauben und einer individuellen Nutzen-Abwägung gerade mit Blick auf die Kirchensteuer. Diese Motive spielten vor allem bei den unter 40-Jährigen eine Rolle, die der Kirche den Rücken kehrten. Befragte ab 40 Jahren nannten dagegen häufig auch das Handeln der Kirche als Anlass – sei es ein aktuelles Thema oder ein persönliches Erlebnis. Ob man in der Stadt oder auf dem Land lebt, hat der Befragung zufolge keinen Einfluss auf die Austrittsneigung. Ein erfreuliches Ergebnis der Studie: Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, finden es mehrheitlich trotzdem wichtig, dass es die evangelische Kirche gibt. Anlass für die Untersuchung war, dass die Austrittszahlen seit 2018 über dem langjährigen Durchschnitt lagen.

 

Bild: Die Zahl der Taufen ist im Corona-Jahr 2020 stark eingebrochen. Foto: epd-Bild/Oettel

 

Text: Jasmin Maxwell-Klein


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